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Kirmes: Was kommt nach Unrau?

Stadtgespräch. Er sitzt mir gegenüber und blinzelt in die Sonne. Natürlich mit Zigarette. Wer hätte ihn je ohne gesehen? Burkhardt Unrau ist Baujahr 1952, also 71 Jahre alt. Er sinniert über sein „Baby“ – die Kirmes in Bergisch Gladbach.

Der Kirmesmacher beschäftigt sich mit der Frage, wie lange er noch die Verantwortung, die Organisation, die Fäden der Kirmessen in der Stadt in der Hand halten kann. „Da musst du den lieben Gott fragen“, sagt er mit einem Strahlen in den Augen und fügt geschwind hinzu: „Ich hab einen guten Draht nach oben“. Dann wird er ernst: „Ich spiele oft die Szenarien durch. Mich kann der Schlag treffen, ich kann einen Unfall erleiden. Aber solange ich gesundheitlich fit bin und meine Frau meine Arbeit unterstützt – so lange mache ich die Kirmes in der Stadt“.

Das Allertraurigste wäre, wenn ich noch erleben würde, dass es keine Kirmes mehr gibt, wie wir sie kennen.“

Zwei Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein, so das Kirmes-Urgestein, das vor genau 30 Jahren den Schaustellerverein Bergisch Gladbach aus der Taufe hob. Die Menschen und die Schausteller müssen es wollen. Er erinnert sich daran, wie er vor vier Jahren den Aufruf startete, den Schaustellern in der Coronazeit zu helfen: „Das hat Wellen bis nach Berlin ins Kanzleramt geschlagen“. Das sei aber auch ein Problem, das oft übersehen werde. „Die Fahrt mit dem Riesenrad wird nicht deshalb beinahe jährlich teurer, weil die Schausteller einfach die Preise erhöhen. Nein, weil alles andere rund um das Geschäft teurer wird. Strom, Standgebühren, TÜV, Sondergenehmigungen und vieles mehr. Die Kosten und die daraus resultierenden Probleme sind enorm gewachsen. Wenn die Schausteller nicht mehr können und nach und nach wegbröckeln, würde ich vor dem Unverständnis der Menschen kapitulieren und meinen Job an den Nagel hängen“. Er zählt auf, was für ihn die Kirmes bedeutet: Sie sei gemacht für alle Generationen, für Integration, für alle Geschlechter, für behinderte und nicht behinderte Menschen. Mit ernster Miene deutet er auf den Konrad-Adenauer-Platz und sagt: „Das Allertraurigste wäre, wenn ich noch erleben würde, dass es keine Kirmes mehr gibt, wie wir sie kennen“.

Unrau hat bis jetzt mit nur zwei Menschen aus der Verwaltung der Stadt im Rahmen der Kirmesveranstaltungen zusammengearbeitet. „Die ersten 17 Jahre mit Hans Pütz, die seither folgenden 24 Jahre mit meiner Frau Ute“, zählt er auf. Die wird er noch weitere zwei Jahre als Mitstreiterin auf der Verwaltungsebene an seiner Seite haben. „Im August 2026 geht sie in Rente, so lange mache ich auf jeden Fall weiter. Das ist keine Frage. Wie es danach weitergeht, weiß ich nicht, darüber hinaus werde ich aber mit Rat und Tat weiterhin bereit stehen“, schränkt er nun doch seine zukünftigen Kirmes-Aktivitäten ein.

Wer ihn „beerbt“, muss das Kirmes-Gen in sich tragen. Und obwohl Unrau mittlerweile den Großteil des Jahres auf Mallorca lebt, kehrt er vor den Kirmessen stets zurück nach Bergisch Gladbach, um vor Ort die Fäden in der Hand zu halten. Trotzdem ist die Stadt Veranstalter der Jahrmärkte, er seit 44 Jahren ehrenamtlich tätig. „Ich bin Organisator, habe die Kontakte und weiß, wen ich ansprechen muss“, erklärt er. Dem stimmt seine Frau zu: „Burkhardt ist unentgeltlich und ehrenamtlich unterwegs, ich übernehme seit Jahren den offiziellen Part.“ Sie ist in der städtischen Ordnungsbehörde, Fachbereich Recht, Sicherheit und Ordnung tätig. Für sie steht bereits eine Nachfolgerin in den Startlöchern. Heike Hiebert hatte bereits zur letztjährigen Laurentiuskirmes erstmals „so richtig“ Kirmesluft geschnuppert. „Aber für Burkhardt wirst du keinen Nachfolger finden. Und das, was er macht, können und dürfen wir nicht“, ergänzt sie.

Einen Appell richtet der Kirmes-Mann an die Menschen in Bergisch Gladbach: „Die Schausteller kommen zu uns, wir müssen sie mit offenen Armen empfangen, sonst verlieren wir ein Kulturgut“.

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